Licht in Kirchen #1

Den Raum hell zu bekommen ist leicht. Den Raum durch Licht in seiner Wirkung zu stärken und die vielfältigen Nutzungen durch Licht zu unterstützen stellt die Herausforderung dar.

Kirchen sind für einen Lichtplaner immer eine Herausforderung. Eine Herausforderung bedeutet für mich auch nichts Negatives. Ich freue mich darauf mich den Herausforderungen zu stellen und gemeinsam mit der Kirchengemeinde eine Lösung für ihre Kirche zu entwickeln. Schließlich wird nur dann ein Experte hinzugezogen, wenn man selbst nicht weiterweiß. Und wenn ich nach der Umsetzung der Planung zufriedene und glückliche Kunden sehe, freut mich das ungemein und macht mich stolz.

Was ich vorwegsagen kann: Die Lichtlösung kann letztendlich keine „Eier-legende-Wollmilchsau“ werden. Was wir aber gemeinsam mit der Kirchengemeinde sicher erreichen können, ist eine Verbesserung der Lichtsituation. Warum Verbesserung? Die Anforderungen an den Raum: „Kirche“ haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten geändert. Die Kirche ist nicht ausschließlich der Ort, um wöchentlich am Vormittag Gottesdienst zu feiern. Der Raum muss heute viel mehr können bzw. muss an ganz unterschiedliche Funktionen anpassbar sein.

Wenn ich ein erstes Gespräch mit dem Pfarrer führe, dann frage ich immer danach, WAS in der Kirche passiert. Gibt es Andachten am Abend? Finden Proben durch den Chor oder Bläser statt? Wird der Kirchenraum darüber hinaus auch für andere Veranstaltungen wie Kino oder Theatervorstellungen genutzt. Jede einzelne Situation benötigt ein anderes Licht. Ein Licht, das sich anpassen kann z.B. durch Dimmen oder ein Licht, welches unterstützend wirkt. Probt der Chor, ist die Grundvoraussetzung für den Chor, dass jeder einzelne Sänger und natürlich auch der Chorleiter gut und ohne Probleme den Text und das Notenblatt ablesen können.

Verschattung auf dem Altar durch sich selbst

Ich greife als Lichtplaner in eine bestehende Situation ein. Dem langjährigen Gemeindeglied und dem Pfarrer selbst, …, ist diese bekannte Umgebung vertraut, eine Änderung kann da verunsichern.

Die Anforderungen an das Licht in der Kirche sind komplex. Werde ich zu einem ersten Gespräch in die Kirche eingeladen, bitte ich darum mich nach dem Termin noch etwas in der Kirche aufhalten zu dürfen. Warum? Ganz einfach. Ich greife als Lichtplaner in eine bestehende Situation ein. Dem langjährigen Gemeindeglied und dem Pfarrer selbst, dessen Arbeits- und Wirkungsstätte die Kirche darstellt, ist diese bekannte Umgebung vertraut, eine Änderung kann da verunsichern. Ich setze mich nach dem Gespräch allein in die Kirche, um die Dimension des Raumes wahrzunehmen und mich in die unterschiedlichen Situationen der Nutzungen reinzudenken. Welche Blickachsen hat ein Kirchenbesucher, welche ein Pfarrer? Welche Aufgaben werden in der Kirche durchgeführt von der Gemeinde, vom Pfarrer, vom Orgelspieler, vom Chor, usw.?

Neben den rein funktionalen Anforderungen an das Licht geht von jedem Kirchenraum eine RAUMWIRKUNG aus und diese gilt es durch Licht zu unterstützen. Viele Kirchen wurden in der Geschichte so konzipiert, dass sie fast ausschließlich durch das Tageslicht beleuchtet wurden. Was für eine Herausforderung der damaligen Planer, Licht ins Innere zu bringen. Je nach Beschaffenheit des Tageslichts wirkt der Innenraum anders. Tageslicht ist dynamisch. Das Licht der Sonne kann diffus und getrübt erscheinen an einem grauen Novembertag oder sich im Sommer durch ein Kontrastspiel von scharfkantigen Schatten und hellen Lichtflecken an den Wänden abzeichnen. Zudem ist Tageslicht ein kostenloses Gut. Künstliche Beleuchtung wirkt hingegen zumeist starr. Die Positionen der Leuchten sind oftmals festgelegt und nicht veränderbar. Neues, künstliches Licht einzusetzen, hat Auswirkungen auf den Kirchenraum.

Wechselwirkung Wohlbefinden – Nutzung – Architektur

In einem der letzten Gespräche mit einem Pfarrer hat dieser ganz klar formuliert, er möchte keine Masse an Pendelleuchten, die den Raum horizontal in zwei Hälften teilt. Durch die Leuchten würde eine Ebene in den Raum eingezogen, die Folgen auf die Raumwirkung hat. Der Kirchenraum in seiner vertikalen Ausdehnungwird durchtrennt. Ein berechtigter Einwand vom Pfarrer.

Ziel meines Lichtkonzepts ist deshalb: Nicht die Leuchte steht im Vordergrund,sondern das Licht, welches von der Leuchte ausgeht.

Neues Lichtkonzept (Foto: Klemens Renner)

Betritt der Besucher eine Kirche, erfährt er oft ausgehend von der Wirkung des Raumes eine ehrfürchtige Haltung . Die Dimension des Raumes wirkt im Vergleich zum Menschen durch die aufragenden Pfeiler und die intensive Raumhöhe riesig. Diese Wirkung kann durch Pendelleuchten verloren gehen.

Ziel meines Lichtkonzepts ist deshalb: Nicht die Leuchte steht im Vordergrund, sondern das Licht, welches von der Leuchte ausgeht. Und das Licht muss sich heute vielfältigen Situationen anpassen können.  

Durch eine reduzierte Leuchtenform haben wir es beispielsweise in einer Kirche geschafft, dass Einbauten wie der Altar, die Kanzel oder die Orgel wieder mehr in den Fokus rücken und der Blick nicht durch Kronleuchter mit vielen kleinen Lichtpunkten abgelenkt wird. Ein reduzierterund ruhiger Kirchenraum gewinnt an Bedeutung und erscheint klarer. Schließlich solldie Kirche ein Ort der Kontemplation sein. Ein entschleunigter Ort, der zuinnerer Sammlung und religiöser Betrachtung führt. Es kann somit nicht das Zielsein einen Kirchenraum „einfach nur hell“ zu planen. Die Wechselwirkungen zwischen MENSCH und ARCHITEKTUR sind in die Planung miteinzubeziehen und ein wichtigerBestandteil einer Lichtplanung.

Bestandssituation

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